Erhöhung der Betreuungsvergütung lässt weiterhin auf sich warten

LEIMEN. Es droht eine wichtige Säule qualifizierter Begleitung wegzubrechen, weil die Politik die Entwicklungen nicht zeitnah aufnimmt und behandelt.

Im Mai sollte über die längst überfällige Erhöhung der Vergütung für Betreuungstätigkeit diskutiert werden. Die Zahlen in den Vereinen sehen von Jahr zu Jahr schlechter aus. Kein Wunder wenn man bedenkt, dass die Vergütung seit 2005 nicht mehr angehoben wurde, Löhne und Gehälter sowie andere Fixkosten aber seitdem weiter steigen.

Der Entscheid wurde von Betreuungsvereinen geradezu herbeigesehnt, hätte die Erhöhung — auch in der zuletzt angedachten reduzierten Form — doch eine deutliche finanzielle Entspannung für alle bedeutet.

Die Stundenzahl für die Betreuer kann nicht beliebig erhöht werden, die Mitarbeiter sind größtenteils schon am Limit. Doch dann kam die Ernüchterung: Die Debatte wurde erst einmal verschoben.

Proteste verhallen ungehört, denn Betreuungsvereine haben keine große Lobby, die ihre Interessen medienwirksam vertritt. Das ist mehr als bedauerlich. Angesichts dieser Situation haben für die Jahre 2017/2018 tatsächlich 54  Betreuungsvereine ihre Schließung angekündigt. Dies ist eine verheerende Entwicklung, vor allem für die vielen ehrenamtlichen Betreuer, die sich mit großem Engagement für ihre Bertreuten einsetzen und auf fachkundige Unterstützung durch die Betreuungsvereine angewiesen sind. Ebenso wie die vielen Bürger, die sich in Sachen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung ratsuchend an die Betreuungsvereine wenden und so ihre Angelegenheiten individuell regeln können. Ein Anliegen, das von Politik und Justiz seit Jahren aktiv gefördert wird, um die Gerichte — und vor allem auch die Justizkasse — zu entlasten.

Die Betreuungsvereine des ARV und ähnlich ausgerichteter Organisationen schultern seit Jahrzehnten einen nicht zu unterschätzenden gesellschaftlichen Beitrag zur Betreuung physisch und psychisch beeinträchtigter Menschen. Auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in unserem Land ist ein Wegfall dieser bereits etablierten, funktionierenden Modelle mit schwerwiegenden Folgen für Menschen verbunden, die einen qualifizierten Beistand in ihrem Leben benötigen.

Immer mehr Betreuungsvereine müssen schließen, weil eine Anhebung der Vergütungsregelung nicht gesetzlich geregelt wird.

Wir appellieren an die politischen Verantwortungsträger in der Bundesrepublik Deutschland, mit großer zeitnaher Aufmerksamkeit jene Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Betreuungsvereinen weiterhin ermöglichen, für ihre Klienten da zu sein.  Ein rascher Handlungsbedarf  ist hier erforderlich, um die Kontinuität der wertvollen Arbeit der Betreuungsvereine für ihre Klienten auch in der Zukunft sicherzustellen und dem Sterben der Betreuungsvereine Einhalt zu gebieten.

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