50 Jahre ARV (1973 – 2023)

Das Jubiläumsjahr beginnt

Von der „Fahrenden Notrufsäule“ zur „Tagespflege“

Heute vor genau 50 Jahren, am 20. Januar 1973, wurde unter Federführung von Redakteur Henning Kriebel in Unterhaching bei München der ARV als „Allgemeiner Rettungsverein“ aus der Taufe gehoben. Keines der versammelten 40 Gründungsmitglieder hatte damals wohl erwartet, dass der Verein so lange durchhalten würde.

Jean Thomé nimmt Notruf entgegen (1973)

Der Verfasser dieses Beitrages betrachtet das Jubiläum aus der Perspektive eines Oberpfälzers, der von Anfang an dabei war, Verantwortung übernahm und über fünf Jahrzehnte ununterbrochen Ehrenämter im ARV Oberpfalz und im Bundesverband aktiv bekleidete. Ob außerhalb der Oberpfalz noch weitere ARV-Gründungsmitglieder am Leben oder gar aktiv sind, ist ihm aktuell nicht bekannt. Es dürfte aber einige Mitglieder geben, die im Laufe des Jahres 1973 zum ARV gestoßen sind und somit heuer ebenfalls ARV-Jubilare werden. Sollten sie vom eigenen Verband diesbezüglich nicht kontaktiert werden, mögen sie sich beim BdARV melden.

Unter dem Dach des „Bundesverbandes der Allgemeinen Rettungsverbände Deutschlands e. V. (BdARV)“, dem Nachfolger des ursprünglichen „Allgemeinen Rettungsvereins, Zentralverein für die BRD“, schlossen sich 1978 die meisten der damals existierenden ARV-Organisationen zusammen. Einige wenige konnten sich mit der Neuausrichtung des Verbandes nicht anfreunden und blieben dem Bundesverband fern. Aktuell bestehen erfolgreiche Mitgliedsverbände des BdARV in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen.

Rückblickend erstaunt vor allem die zumindest in der Oberpfalz recht bald einsetzende, vorausschauende Entwicklung von der „Fahrenden Notrufsäule“ hin zum Wohlfahrtsverband (Stichwort „Medikamenten-NotDienst“) mit im Laufe der Jahre vielfältigen sozialen Dienstleistungen unter dem Motto „Soziale Dienste aus einer Hand“.

In den ersten Jahren lag hierbei die Finanzierungslast allein auf den Schultern der Mitglieder, nicht nur in der Oberpfalz. Später wurden Finanzierungsquellen erschlossen, die die Aufbauarbeit erleichterten: Spendenmittel, Erlöse aus Sammlungen (Altkleider, Altpapier) usw. in erheblichem Umfang.

Dadurch wurden Investitionen in Einsatzmittel, Fahrzeuge, Diensträume/-Gebäude und auch Personal möglich. Der nächste Entwicklungsschritt führte zu Einnahmen aus Dienstleistungen wie Ambulante Krankenpflege, Mobiler Sozialer Hilfsdienst, Fahrdienst, Essen auf Rädern u. a. Es konnte mit Kostenträgern abgerechnet werden. Mitunter gab es Zuschüsse der öffentlichen Hand.

Dienste wie Schuldner- und Insolvenzberatung, Rechtliche Betreuungsarbeit oder Offene Behindertenarbeit (OBA) wurden von vornherein weitgehend vom Staat finanziert. Hauptamtlichkeit wurde für verlässliche soziale Dienste immer unverzichtbarer. Nur der Vorstand und weitere ehrenamtliche Helfer arbeiten bis heute für Gottes Lohn im Rahmen der persönlichen zeitlichen Möglichkeiten.

Aus dem mittellosen „Wohnzimmerverein“ ist so im Laufe von fünf Jahrzehnten ein respektabler Wohlfahrtsverband geworden, der weiterhin seinem Grundgedanken treu bleiben will, wo es nottut Lücken zu schließen. Beim ARV Oberpfalz, der auch Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) ist, war das letzte größere Projekt auf diesem Weg der Neubau der ARV Tagespflege Waldnaabtal in Windischeschenbach, die erst 2022 in Betrieb ging.

Eingangsbereich der „ARV Tagespflege Waldnaabtal“ in Windischeschenbach

Ob und welche Festivitäten das Jubiläumsjahr bringen wird, haben die Vorstände noch nicht verraten. Hier im ARVnewsBlog gibt es eventuelle Neuigkeiten aus erster Hand. Die Mitgliedsorganisationen des BdARV werden in eigenen Beiträgen interessante Einblicke in ihre Historie gewähren, auch wenn sie noch kein halbes Jahrhundert alt ist.

Im ARVnewsBlog werden zudem im Jubiläumsjahr in unregelmäßigen Abständen „Erinnerungssplitter“ in Bild- und/oder Textform unter dem Titel „ARV50 — Rückspiegel“ veröffentlicht werden. Besitzen Sie noch interessante Fotos oder Dokumente von damals? Schicken Sie sie möglichst digitalisiert an w.h.hayn@arv.info!

An dieser Stelle soll auch der Verstorbenen gedacht werden, die die ARV-Familie im Laufe der fünf Jahrzehnte verlassen mussten. Sie waren es oftmals, die Grundlagen für spätere positive Entwicklungen im Geiste der Nächstenliebe schufen.

Die heute aktive ARV-Generation zeichnet aus, dass sie die ARV-Grundsätze und -Ideale verstanden hat und sie in zeitgemäßer Form engagiert weiterhin verwirklicht. Danke dafür! Mögen gute neue Ideen wie vor 50 Jahren das Leben sicherer und lebenswerter machen. Das Gemeinschaftliche und eine gehörige Portion Idealismus sollten dabei in der ARV-Familie nicht zu kurz kommen.

Einst aus dem Nichts entstanden, möge der Verband noch viele Jahrzehnte zum Wohle betroffener Menschen wirken und stets vorausblickend evtl. Lücken im Sozialwesen erkennen, um Wege zu suchen, sie wirksam zu schließen.


Weitere Beiträge zum ARV-Jubiläum:

5 Gedanken zu “50 Jahre ARV (1973 – 2023)

  1. Auch vom ARV-Oberbayern, der sich in eine völlig andere Richtung entwickelt hat, aber immer noch besteht, einen Glückwunsch an den ARV, insbesondere an den ARV Oberpfalz für seine geleistete Arbeit.
    J, Wilkerling, Vorstandsvorsitzender ARV Oberbayern e.V.

  2. Ich bin sehr stolz für den ARV im Dienst zu sein und 2023 ist für mich auch etwas besonderes. Da kann ich mein 10 jähriges feiern. Und nicht nur das. 10 Jahre ARV, noch keinen Tag krank geschrieben und jedes Jahr über 100.000 km unfallfrei gefahren.

    1. Toll, Herr Schreml! Leute wie Sie braucht der ARV. Leute wie Sie haben entscheidend dazu beigetragen, dass der ARV sich über fünf Jahrzehnte positiv entwickeln konnte — zum Wohle hilfesuchender Menschen. Danke für Ihr Engagement! Weiterhin viel Freude bei der Arbeit!

      1. Vielen Dank. Ich werde weiterhin mit meinem ganzen Herzen und ganzer Kraft weiter machen. Auf die nächsten 10 Jahre. Liebe Grüße Ulrich

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